“Stimmen sind da in der Luft”

Ein Nachruf für Rezitator Horst Peters (*1947) aus Steyerberg

„Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Manche sind gleicher“. Mit diesen Worten legte Horst Peters die Lesebrille vor sich auf dem Lesepult ab und schaute sein Publikum in die Augen. Das frei nach George Orwell interpretierte Zitat aus „Farm der Tiere“ war inhaltlich eine lebendige Grundlage für die Rezitationsabende von Horst Peters. Deutschlandweit hat er sich einen Namen gemacht mit Rezitationsprogrammen von Brecht, Ringelnatz, Busch, Kästner und Borchert. Aber auch weniger bekannte Märchen von Oscar Wilde, Texte von Ernesto Cardenal und Ivo Andric rezitierte Peters mit viel Leidenschaft. Seine besondere Liebe galt bis zum Schluss politischen und satirischen Texten aus Vergangenheit und Gegenwart.  Die Turngedichte von Ringelnatz oder Kurt Tucholskys „Ein älterer, aber leicht besoffener Herr“ mit dem Bierglas in der Hand machten aus dem Rezitator einen Schauspieler.

Mit seinem Freund Frank Michael Worbs gründete er 1972 das Tonstudio und den Schallplattenverlag Sound Star Tonproduktion, der bis heute namhafte Künstler aus dem Bereich der Klassik, Kammermusik und Folklore nach Steyerberg zog und produzierte dort Schallplatten und später CD’s, die auf dem internationalen Markt zu finden sind. Berühmte Künstlerinnen und Künstler aus Norwegen, Mexiko, Rumänien, Russland und Israel gaben sich in den Aufnahmeräumen in Steyerberg die Klinke in die Hand und langjährige Freundschaften zu Horst Peters und Frank-Michael Worbs entstanden. Dies trug dazu bei, dass in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl hochkarätiger Konzerte in Steyerberg stattfinden konnten. Neben den musikalischen Produktionen spielen vor allem die Rezitationen und Literatureinspielungen von Horst Peters eine wichtige Rolle im Verlagsprogramm von Sound Star Ton. Beispielsweise wurde die Borchertinterpretation „Stimmen sind da in der Luft“ mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet.

Horst Peters war sein beruflicher Kontakt mit Musik und Kultur auch für seinen Heimatort und die Region sehr wichtig, so dass auf seine Initiative hin 1998 Kulturimpuls Steyerberg e.V. gegründet wurde. Der Verein, dessen Vorsitz er viele Jahre innehatte, ist Veranstalter von Konzerten, Rezitationsabenden, sowie Theater- und Opernfahrten.

Peters setzte sich in seiner Arbeit für Frieden und Demokratie ein. In Zusammenarbeit mit seinem Freund Martin Guse und dem Verein Pulverfabrik sorgte er für die Aufarbeitung der regionalen Geschichte und machte hierzu vor allem mit Kindern und Jugendlichen Projektarbeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Erst vor einigen Jahren wurde er für diese Arbeit vom niedersächsischen Kultusministerium ausgezeichnet.

Am 07. März verstarb Horst Peters nach langer Krankheit. Bei einer Operation vor einigen Jahren verlor er ein Stimmband, was zur Folge hatte, dass der Rezitator seitdem nie wieder Lesungen halten konnte.

Mit dem Tod von Horst Peters verliert Steyerberg eine mahnende Stimme für Frieden und Gerechtigkeit, einen engagierten Förderer des kulturellen Schaffens in der Region und einen Menschen, dessen Fürsorge immer den Schwächeren galt – vor allem den Kindern, die er als Zukunft unserer Gesellschaft gesehen hat.            (Peters/Deutschmann-Peters)