Klavierkonzert: Carmen Daniela

Eine Sternstunde der Musik

Carmen Daniela verzauberte ihr Publikum im „Alten Pfarrhaus“ in Steyerberg

 (Steyerberg) pvb. Der Steyerberger KulturImpuls hatte es wieder einmal geschafft für seine Konzertreihe „Musik im Alten Pfarrhaus“ eine wahre Meisterpianistin zu verpflichten. Das Konzert, dass am letzten Sonntag stattfand, war auch gleichzeitig eine Homage für eine lange Freundschaft mit dem Steyerberger Tonträger-Label, wo die großartige Pianistin fast alle Haydn-Sonaten eingespielt hat.

Folgerichtig war der erste Teil des Abends Haydn gewidmet. Im Mittelpunkt standen die Variationen in f-moll sowie die Sonate Hob.16/60. Eingeleitet wurde der Abend mit dem bekannten Ausschnitt aus dem Kaiserquartett.

Haydn kommt bei Carmen Daniela klar gezeichnet, lebendig und in den langsamen Stellen erfüllt, hervorragend zur Geltung. Sie zeigte auch, dass sie stilsicher und vertraut ist mit den damaligen Finessen der Verzierungskunst. Frische, Lebendigkeit und Souveränität zeichneten ihr Haydn-Spiel aus, dazu eine rechtschaffende Grundhaltung. Gerade bei Haydns Humor zeigte die Pianistin ein gutes Gespür, hier ist sie sogar Alfred Brendel überlegen. So war der erste Teil des Abends, trotz der Beschränkung auf Haydn, nie langweilig, im Gegenteil, man wurde von selten gehörter perlender Tonkunst überrascht.

Im zweiten Teil dieses außergewöhnlichen Abends gab es Beethovens „Sieben Bagatellen“, „Die Jagd“ von Franz Liszt sowie von Chopin die „Fantasie f-moll op.49 und die „Revolutionsetüde“, abgeschlossen wurde der Klavierabend mit einer eigenen Komposition der Pianistin als 10jährige im volkstümlichen rumänischen Stil.

Auch hier gelang ihr eine perfekte Leistung. Die Stücke gerieten zu einem farbigen Bilderbogen unter ihren Händen, mit lautmalerischen Effekten, mal spritzig, mal verträumt. Sie griff die großen Züge der Stücke auf und stellte formale Gliederungspunkte heraus und ließ den emotionalen Inhalten energisch freien Lauf. Die Pianistin bewies eindrucksvoll, das große Musik nie den Charakter des Neuen verliert. Insgesamt war ihr meisterhaftes Spiel sehr fein gefächert, es war dynamisch und strahlte gleichzeitig für den Zuhörer Ruhe aus. Schnelle wechselnde Abschnitte gestaltete sie brilliant, sie vertiefte sich in die Stücke und gab jedem ein eigenes Profil.

Das Publikum wurde sehr lebendig und unmittelbar Zeuge, wie sie sich jedem einzelnen Werk in individueller Weise voll hingibt. Ihr dynamisches Band scheint eine immense Breite zu besitzen. Sie spielt in jedem Werk mit allen Facetten zwischen blauem Eis und orangerotem Feuer. Und so gelang es höchste Spannung unter den Zuhörern entstehen zu lassen. Sie macht sich einfach das jeweilige Werk zu eigen. Bei Carmen Daniela ist alles in Fluss und ständigem Wandel. Prasserei mit Energie, alles lebt, ein einmaliger Genuss. Dabei wirkt sie nach außen gelöst, doch wenn sie sich von ihren Tasten trennt, dann spürt man, dass sie alles gegeben hat. Aber, nach wenigen Sekunden ist sie zu neuem Feuer bereit.

Carmen Daniela untermalte die Musik mit ihrem Minenspiel, dass ihre eigene Interpretation der Werke widerspiegelte. Die meisten Zuhörer dürften nach diesem Abend verzaubert gewesen sein von diesem „Saitenzauber“. Das „Alte Pfarrhaus“ war gut gefüllt mit einem Publikum, dass ihr mit viel Applaus und zum Abschluss mit Ovationen herzlich dankte.