Bretter die die Welt bedeuten

Jugendprojekt THEATER VON HINTEN 2016 / Nov. 2016

Schüler erlebten Bretter, die die Welt bedeuten

Ein Blick hinter die Theaterkulissen der Bremer Oper mit KulturImpuls

 (Steyerberg) pvb.   Über 30 junge Leute erlebten „Theater von hinten“, eines der Jugendprojekte des Kulturimpuls Steyerberg, dass seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bremer Theater erfolgreich stattfindet. Überwiegend waren es diesmal Schüler der Hauptschule Landesbergen, dessen „weiblicher Gott“ als Lehrerin hier begleitend und schützend die Hand über die jungen Leute hielt, unterstützt durch die weise Endscheidung der Schulleitung. Die Schüler der „Freien Schule Steyerberg“ wurden von 2 Eltern begleitet, auch waren zwei Konfirmandinnen aus Steyerberg im Schlepptau. Das ganze stand wieder unter der bewährten Leitung des Rezitators Horst Peters und dem Tontechniker Frank Worbs vom Kulturbüro in Steyerberg.  Wegen der großen Nachfrage konnten nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden.

Der Blick hinter die Kulissen dieses 4-Sparten Theaters, ein großer Komplex mit großen und kleinen Bühnen und Häusern, stand im Vordergrund. Dies war am eindringlichsten im großen Haus, das auch als Opernhaus dienlich ist, möglich. Zumal man sah, wie für die Abendvorstellung, aufgebaut wurde. Es wurde den jungen Leuten die Funktion und Technik dieser großen und beeindruckenden Bühne erläutert, die in ihren Ausmaßen größer ist als der Zuschauerraum, in dem immerhin ca. 1.000 Leute Platz finden. Auch Ablauf und Aufgabenverteilung bei einer Vorstellung wurde erläutert und gezeigt. In dieser „kleinen Stadt für sich“, konnten die Teilnehmer auch einige der vielen Werkstätten besichtigen, denn alles wird selbst hergestellt für den Bühnenbau. Die Teilnehmer erlebten z.B. eine große Tischlerei, man schaute sich im Kostümfundus um, war in der „fast Zauberwerkstatt“ des Rüstmeisters, wo es sprechende Steine, Pipi Langstrumpf Pferd, welches per Knopfdruck laufen konnte, Selbstfahrer-Sofas, Feuerwerk und vieles mehr zu bestaunen gab. Neben den typischen Theaterberufen, kann man dort auch so seltene Berufe wie Hut- oder Schuhmacher erlernen. Eine echte Sensation war der große Malersaal, wo Kulissen gemalt und mit vielen Tricks hergerichtet werden. Hier konnte man auch Arbeiten von Auszubildenden begutachten. Aber auch ein Tonstudio sowie ein Studio für TV-, Bild- und Computer mit den Fachberufen ist vorhanden. Auch gibt es dort für Jugendliche eine Schauspielschule sowie eine Opernausbildung.

Abends erlebten die Teilnehmer die Aufführung des Bühnenaufbaus. Von Carl Orff wurde die berühmte „Carmina Burana“ in einer beeindruckenden Aufführung und Inszenierung gegeben. Vertonte Lebenssprüche von „fahrenden Gesellen“ um 1300, die das Glück des Lebens beschreiben. Neben den Bremer Philharmonikern in Großbesetzung, mit externen Schlagzeuginstrumenten, waren der große Opernchor, dessen jüngste Chorsänger gerade mal 6 Jahre zählten, sowie drei international agierende Solisten des Opernhauses beteiligt.

Für die Jugendlichen war dies alles recht neu und aufregend. Die meisten von ihnen waren das erste Mal in einem Opernhaus. Es erfüllte sich nicht die langläufige Vorstellung von alten Menschen, die dort herum sitzen, man war erstaunt, das überwiegend jüngere Leute sowie Jugendliche das Publikum sowie auch die Mitwirkenden bildeten.

Neben Freizeit in Bremens Innenstadt gab es eine kleine Erkundung über das Land Bremen. Wenige Tage vor Reiseantritt gab es jeweils einen einführenden Vormittag in den beiden Schulen über das Theater an sich, speziell aber über den Bremer Theaterbetrieb, sowie über dessen Bedeutung. Es wurde „Carmina Burana“ inhaltlich erläutert, als auch über Oper als solches informiert, alles in einer einfachen, verständlichen Art. Dabei wurde klar, dass Oper entgegen langläufiger Provinzmeinung nicht schwer und unbegreiflich ist- und das auch Musical eine Form der Oper ist. Oper ist nicht nur dunkel gefärbt sondern ist auch fröhlich und komödienhaft, letztlich ist es eine vertonte Geschichte, die durch gute Inszenierung lebt, oftmals auch schon als Spielfilm gesehen wurde. Die provinziellen Erwachsenen geben ihre Angst und Bedenken  leider an die Jugend weiter, was gerade in unserer Zeit der Angstmache passt.  Und so hoffen die Veranstalter den Teilnehmern die Angst genommen zu haben und den einen oder anderen zusätzlichen zukünftigen Musiktheater-Besucher bei ihren Bremen-Fahrten begrüßen zu dürfen. Vor allem aber, das die Teilnehmer einen Blick über den Horizont hinaus geworfen und genossen haben und somit ein Stück neue Welt für sich und ihr Leben entdeckt haben.